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Gefiltert nach Dr. Martin Schlatter Filter zurücksetzen

Mit (Anlage-) Style durch die Krise

"No Style works all the Time", aber "Some style is always in Fashion"

Unsere bevorzugte Vorgehensweise in der Vermögensverwaltung besteht in der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wir versuchen, so objektiv und Fakten basiert wie möglich, die Erfolgswahrscheinlichkeit unserer Anlagetätigkeit für die Kunden zu optimieren. Dabei ist der wichtigste Erfolgsfaktor im Management von Aktienvermögen das Faktor-Investing (auch "style investing" genannt).

Wie verhalten sich eigentlich faktorbasierte Anlagestrategien während Markteinbrüchen, wie wir sie zuletzt im März gesehen haben? Respektive wie könnte ein Portfolio positioniert sein, damit es von einer Erholung möglichst profitieren kann.

Die amerikanische Analysefirma Style Analytics hat dazu eine detaillierte Studie verfasst. Dazu haben sie die drei letzten grossen globalen  Markteinbrüche (Black Monday 1987, Platzen der Tech Bubble, Globale Finanzkrise "GFC") analysiert und dabei festgestellt, dass die aktuelle Krise mit der Globalen Finanzkrise die höchsten Korrelationen bezüglich der Faktorrenditen aufweist. Allerdings war die Zeitdauer der Finanzkrise viel länger als der aktuelle Einbruch seit Covid-19, welcher jüngst die globale Wirtschaft lahmgelegt hat. Während der Globalen Finanzkrise hat der US Markt in 16 Monaten rund 50% verloren, in der aktuellen Krise hat der S&P 500 vom 19. Februar bis zum 23 März rund 34% verloren. Aktuell (Ende April 20) haben wir von den Tiefständen wieder 25% zugelegt. Die Daten für Europa oder die Schwellenmärkte sehen ähnlich aus. Für die weitere Diskussion konzentrieren wir uns auf Europa.

Die Style Analyse der vergangenen Markteinbrüchen und der Covid Krise bis zum Tiefpunkt im März zeigt, dass typische Substanz ("Value") und Rendite-Faktoren ("Yield"), farblich hellblau und dunkelblau, eine deutliche Minderperformance aufweisen, während die Faktoren mit Fokus auf tiefer Volatilität ("low vol") und Bilanzqualität ("quality"), in den Farben rot und violett, eine Outperformance aufweisen.

Mit (Anlage-) Style durch die Krise

Aktiengewinnentwicklung Europa im Vgl. zu USA

Sektorgewichte und Gewinnentwicklung in USA und Europa

Die Jahresresultate von Apple, Microsoft oder Amazon haben die Investoren positiv überrascht und die guten Resultate wurden auch umgehend mit neuen Höchstkursen quittiert. Nicht nur diese Aushängeschilder der US Technologiefirmen eilen von Rekord zu Rekord, auch der ganze US Aktienmarkt freut sich über neue Höchstwerte der Indizes wie zum Beispiel dem S&P 500 oder dem MSCI USA.

Die Bewertung der Aktienmärkte wird zu einem grossen Teil von den erwirtschafteten Erträgen der Firmen getrieben. Daher lohnt es sich, diese genau anzuschauen. In den folgenden Graphiken haben wir die prozentualen Anteile der verschiedenen Sektoren am gesamten Gewinn der Firmen über die letzten 12 Monate des MSCI USA und dem MSCI Europa ausgerechnet. Diesen vergleichen wir mit dem Gewicht des entsprechenden Sektors im Index.

Aktiengewinnentwicklung Europa im Vgl. zu USA

Aktien Europa weiterhin attraktiv

Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen in Europa

 

Die Finanz und Wirtschaft hat in der Samstagausgabe vom 24. Juni ein paar Kurzinterviews zur aktuellen Marktsituation publiziert. Meinen Beitrag zu europäischen Aktien möchte ich hier zitieren:

 

Der Absturz des Citi Economic Surprise Index USA zeige, dass die US-Wirtschaftsdaten seit Mitte April die Erwartungen sehr oft verfehlen, erläutert Martin Schlatter. In Europa entwickle sich dagegen vieles sehr positiv. Wenn die Analysten die Gewinnschätzungen für die europäischen Unternehmen überarbeiten, werden in rund 50% der Fälle Revisionen nach oben vorgenommen. Das ist ein historisch hoher Wert (vgl. auch Grafik). Wenn der Himmel wolkenlos sei, müssten sich zyklische Titel eindeutig besser entwickeln als defensive, sagt Schlatter. «Dem ist nicht eindeutig so.» Grundsätzlich laufen Zykliker aber gut. Bei Swiss Rock Asset Management hat man denn auch festgestellt, dass das Interesse der Investoren für Industrie- und Bauwerte deutlich höher ist als vor einem Jahr. Schlatter sagt, solche Titel seien in den Swiss-Rock-Portfolios zurzeit übergewichtet, in Erwartung, dass sie von einem Wachstumsschub in Europa profitieren werden. Zu den bevorzugten Anlagen gehören Kardex, Bobst oder Carlo Gavazzi aus dem Industriesektor sowie Sika und Forbo aus dem Bausektor. Schlatter findet auch Gefallen an den Luxusgüteraktien wie Richemont und Swatch Group, zumal deren Bewertung nicht übertrieben hoch sei. Aufgefallen ist ihm, dass Titel mit hohen Dividendenrenditen, die als Ersatz für Anleihen gelten können, schlechter laufen. Er sieht es als ein erstes Anzeichen, dass der Markt mit Zinserhöhungen rechnet, und meidet diese Titel.


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