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Aktien Schweiz als Substitute für Eidgenossen?

Eidgenossen vernichten über die nächsten 10 Jahre mit Garantie Kapital

Bundesobligationen mit 10 Jahren Laufzeit (im Finanzjargon Eidgenossen genannt) haben zum Jahresende 2018 eine Rendite auf Verfall von minus 0.3%. Für CHF 100, welche ich heute in diese Anleihe investiere, werde ich in 10 Jahren 97 Schweizerfranken erhalten. Hierbei ist nicht einmal die Inflation berücksichtigt, welche sich typischerweise im Bereich von 1 bis 2% bewegt. Diese nominelle und reale Kapitalvernichtung wir im europäischen Kontext mit gutem Grund als finanzielle Repression der Zentralbanken bezeichnet.

Die Schweizer Standardwerte, repräsentiert durch den SMI, haben eine Dividendenrendite von 3.6% (letzte 12 Monate); dies bei einem erwarteten Dividendenwachstum gemäss Analystenschätzungen (Quelle: Bloomberg) von 10%. Für 100 Franken, investiert in den SMI, kann ich im ersten Jahr einen Ertrag von CHF 3.60 erwarten, im nächsten Jahr sollten dies dann bereits CHF 3.96 sein, usw. Wenn die Dividenden wirklich um hohe 10% p.a. wachsen würden, so erhielten wir über 10 Jahre CHF 57 an Dividenden, bei einem Wachstum von 5% immer noch CHF 45 und bei einem Null-Wachstum CHF 36.-.

Das heisst je nach Dividendenwachstumsrate kann der Schweizer Aktienmarkt über die nächsten 10 Jahre um 60% (97-57), 46% (97-45) oder um knapp 40% (97-36) sinken und die erwartete Gesamtrendite (ohne Reinvestition der Dividenden ) entspricht immer noch derjenigen der Bundesobligationen.

Wie realistisch ist ein Dividendenwachstum von 10%? Seit dem Jahr 2000 sind die Dividenden der Aktien des Swiss Performance Index kapitalisierungsgewichtet tatsächlich fast 10% gewachsen. Gleichzeitig ist die Auszahlungsrate (Verhältnis zwischen ausgeschütteter Dividende und Gewinn eines Unternehmens; engl. «Payout-Ratio») von 20%-30% auf 40%-60% angestiegen.

 

Philip Straehl und Roger Ibbotson untersuchten in ihrem Artikel «The Long-Run Drivers of Stock Returns: Total Payouts and the Real Economy» die Relevanz von Dividenden und Aktienrückkäufen auf den Gesamtertrag von Aktienanlagen. Sie liefern theoretische und empirische Evidenz für mehr als 140 Jahre (Periode von 1871-2014). Dabei können sie aufzeigen, dass die Gesamtausschüttungen (Dividenden plus Rückkäufe = «Total-Rendite») der wichtigste Treiber für langfristige Aktienmarktrenditen sind. Weiter zeigen sie auch, dass Gesamtausschüttungen pro Aktie (bereinigt um Rückkäufe) im Einklang mit dem BIP gewachsen sind.

Für die Schweiz bedeutet dies, dass das durchschnittliche nominelle Dividendenwachstum der letzten 15 Jahre von fast 10% für die nächste Dekade kaum realistisch sein wird. Dahingegen nur auf das Wachstum des Schweizer BIPs abzustellen, greift für die Beurteilung der Ertragsentwicklung der vielen multinationalen Unternehmungen des Schweizer Aktienmarktes aber zu kurz. Das globale Wachstum wird vom IMF für die nächsten 5 Jahre auf real 2.5% geschätzt, bei einer globalen Inflation von 2%. Ein Dividendenwachstum für Schweizer Aktien von 4%-5% scheint aus diesen Gründen realistisch.

Straehl und Ibbotson entwickeln in Anlehnung an das Shiller P/E, auch «cyclically adjusted price-to-earnings ratio (CAPE)» genannt, eine ähnliche Bewertungsgrösse auf Basis der Total-Rendite, welche sie «cyclically adjusted total yield (CATY) nennen. Sie könne für den US-amerikanischen Aktienmarkt aufzeigen, dass die zyklisch angepasste Gesamtrendite die Veränderungen der erwarteten Gesamtrendite des Aktienmarktes mindestens so gut prognostiziert wie das zyklisch angepasste PE («CAPE»).

Die historische Indexzeitreihe des UBS 100 Index, welcher mit und ohne Dividenden-Reinvestitionen berechnet wird, erlaubt uns den langfristigen Vergleich der Dividenden Renditen über die letzten 30 Jahre. Wie folgende Graphik aufzeigt ist die einfache Dividendenrendite insbesondere in der Zeit nach der Finanzkriese stetig angestiegen. In den letzten Jahren war sie nie so hoch wie heute und das in einer Zeit negativer Zinsen und geringster Inflation. Die Unsicherheit der Anleger scheint immer noch sehr hoch zu sein und die verlangte Risikoprämie so hoch wie selten.

Bei genügend langem Horizont werden Schweizer Standardwerte die Eidgenossen mit hoher Gewissheit schlagen

Die Bank Pictet berechnet einen historischen Aktienindex, welcher seit 1926 verfügbar ist. Mit Hilfe dieser Zeitreihe lässt sich die Frage beantworten, wie oft die Rendite eines breit diversifizierten Aktienportfolios --dargestellt durch den Gesamtmarkt-- überhaupt eine negative Rendite realisiert hat. Die Antwort ist, es gab Anlageperioden von 10 Jahren mit negativer Gesamtrendite inklusive der Wiederanlage der Dividenden. Pictet benennt die Perioden 1929-1938, 1930-1939 und 1931-1940 als negative Jahrzehnte. Alle anderen Zehnjahresperioden (Kalenderjahre) weisen eine positive Gesamtrendite auf.

Shiller wie auch Straehl-Ibbotson konnten aufzeigen, dass Anleger, welche in Perioden moderater Marktbewertung in Aktien investieren, längerfristig bessere Erträge erwirtschaften. Kombiniert man dieses Wissen mit einem Anlagehorizont von 10 Jahren, so sind Aktienanlagen die Wahl der Stunde. Die langfristigen Anleger tun gut daran, Anlagen in stabilen Schweizer Standardwerten aufzustocken.

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