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Handelszwist USA - China

Handelskrieg der Sparer: Economics 101

Der Handelskrieg der USA mit dem Rest der Welt, aber insbesondere mit seinen grössten Handelspartnern China und der europäischen Union, macht täglich neue Schlagzeilen. Aus anfänglichen Beschuldigungen aller Seiten hat sich ein ernsthafter Konflikt entwickelt. Im Gegensatz zu den Aussagen der US Regierung konstatieren namhafte Ökonomen wie Stephen Roach (ehem. Chefökonom von Morgan Stanley, lehrt heute in Yale), dass die Probleme der USA durch neue Bedingungen des internationalen Handels nicht zu beseitigen sind. Sie sind weitgehend das Ergebnis makroökonomischer Ungleichgewichte, von denen beide Seiten betroffen sind: China spart zu viel und die USA zu wenig. Diese Sparunterschiede führen zu multilateralen Handelsungleichgewichten, die nicht durch bilaterale Anstrengungen ausgeglichen werden können.

Diese Aussage verblüfft zuerst einmal und wir fragen uns, was Sparen eigentlich mit der Handels- und Leistungsbilanz zu tun hat. Die Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft misst den Austausch von Waren und Dienstleistungen mit allen anderen Volkswirtschaften.

Ein Defizit bedeutet, dass ein Land mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert.

Genauer gesagt, ist die Leistungsbilanz die Summe von:

  • Warenverkehr
  • Handel mit Dienstleistungen z.B. Versicherungen
  • Anlageerträge wie z.B. Dividenden, Zinsen und Migrantenüberweisungen aus dem Ausland
  • Nettotransfers - z.B. internationale Hilfe

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass bei einem variablen Wechselkurs ein Leistungsbilanzdefizit durch einen Überschuss in der Finanz- und Kapitalbilanz ausgeglichen werden muss. Dies bedeutet, dass ein Leistungsbilanzdefizit durch das Ausland finanziert werden muss.

Weshalb behaupten nun die Ökonomen, dass der Saldo der Leistungsbilanz der Differenz zwischen Sparen und Investitionen entspricht?

Erstens ist es wichtig zu beachten, dass wir in einer geschlossenen Wirtschaft davon ausgehen, dass Sparen = Investitionen ist. (S=I). Damit ein Unternehmen investieren kann, braucht es Ersparnisse, um die Investition finanzieren zu können. In diesem Zusammenhang haben Ökonomen festgestellt, dass zu kleine inländische Ersparnisse im Verhältnis zu inländischen Investitionen zu einem Leistungsbilanzdefizit führen. Weshalb ist das so?

Um diese Frage zu beantworten, muss man verstehen, wie das Bruttosozialprodukt (BSP) und das Bruttoinlandprodukt (BIP) berechnet werden.

Das BIP ist der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft im Inland herstellt oder erbringt.

Wenn dazu addiert wird, was Inländer aus dem Ausland an Einkünften bekommen und davon abzieht, was Ausländern aus dem Inland an Einkünften überwiesen wird, bekommt man das Bruttosozialprodukt. Somit gilt:

Bruttoszialprodukt (BSP) = Bruttolinlandprodukt (BIP) + Nettoauslandseinkommen (R)

(1) BSP = BIP + R

Das Nettoauslandseinkommen kann negativ sein, wenn Ausländer mehr Vermögenswerte im Inland als Inländer im Ausland besitzen. Die Erträge aus der Differenz dieser Vermögenswerte werden ins Ausland geschickt, was schliesslich zu einem negativen Nettoertrag aus dem Ausland führt.

Im Gleichgewicht ist das BIP definiert als

(2)   BIP = C + I + G + (X-M), dabei sind

C= Konsum, I=Investitionen, G= Staatsausgaben und (X-M) = Exporte minus Importe oder die Nettonachfrage aus dem Ausland.

In gleicher Weise kann auch die Leistungsbilanz (mit CA bezeichnet) definiert werden, nämlich als Exporte minus Importe plus Nettoauslandszahlungen.

(3) CA = (X-M) +R

Mit den Formeln (1) und (2) können wir den rechten Teil der Formel (3) neu schreiben als

(4) (X-M)+R= BSP –(C+I+G)

und somit

(5) CA = BSP – (C+I+G)

Die Differenz zwischen dem Bruttosozialprodukt plus dem Konsum und den Staatsausgaben (BSP - (C+G)) sind die Ersparnisse (S). Somit gilt

(6) CA = S-I

Aus einer buchhalterischen Betrachtung macht es keinen Unterschied ob wir den Saldo der Leistungsbilanz als

(7) CA = Nettoexporte (X-M) + Nettoauslandseinkommen (R)

oder als

(8) CA = Ersparnisse (S) – Investitionen (I)

sehen. Angenommen, das inländische Sparen reicht nicht aus, um die inländischen Investitionen zu finanzieren. Wie werden die inländischen Investitionen dann finanziert? Sie werden durch Investitionen aus dem Ausland finanziert. Diese Kapitalflüsse sind eine Gutschrift auf dem Kapitalkonto und werden durch ein Defizit auf dem Leistungskonto ausgeglichen.

Umgekehrt: wenn ein Land über zusätzliche Ersparnisse (d.h. Inlandsparen > Inlandinvestitionen) verfügt, werden diese Ersparnisse ins Ausland gehen, um Investitionen in anderen Ländern zu finanzieren. Dies führt zu einem negativen Saldo auf der Kapitalbilanz und ermöglicht einen Leistungsbilanzüberschuss.

Die USA hatte 2017 Handelsbilanzdefizite mit 102 Ländern. Wenn nun ein Teil dieses multilateralen Ungleichgewichts zwischen einem Defizitland (USA) und einem Land mit einem Sparüberschuss (China) verändert wird, so wir diese Veränderung einfach auf andere Länder verteilt. Das Resultat sind teurere Importe für die USA, was faktisch einer Steuererhöhung  entspricht. Gleichzeitig hat die Entwicklung in China dazu geführt, dass sie nach vielen Jahren im Jahr 2018 wahrscheinlich ein Leistungsbilanzdefizit ausweisen werden. Dies schränkt den Spielraum der Chinesen für gütliche Einigungen mit der USA ein.

Die Lösung kann nur ein Kompromiss sein. Die Amerikaner werden ihr Spar- und Konsumverhalten nicht ändern und sind auf Kapitalimporte angewiesen. Zölle ändern daran wenig.

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