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Multifaktorielle Aktienprognose

Multifaktorielle Aktienprognose: Update 2022

Das Jahr 2021 war aus Aktienperspektive ein sehr ereignisreiches Jahr. Lieferkettenprobleme, Inflationsdruck, Regulierungswelle in China und neue Gewinnrekorde sind nur wenige Schlagwörter, welche die Bewegungen an den Finanzmärkten beschreiben können.

Ein Blick auf die Aktienperformance folgender Tabelle zeigt, dass Nordamerika, mit einer Performance von mehr als 30% in CHF, die anderen grossen Märkte wieder einmal hinter sich liess.

Quellen: Daten von MSCI, Factset

Die Dominanz des nordamerikanischen Aktienmarktes in der jüngsten Vergangenheit ist beeindruckend. In 7 der letzten 11 Jahre war Nordamerika aus der Perspektive des Schweizer Investors der beste Markt. Dies spiegelt sich allerdings in den hohen Bewertungen amerikanischer Firmen wider (mehr dazu weiter unten). Aber auch der Schweizer Aktienmarkt hatte, getrieben durch die sehr gute Performance der grosskapitalisierten Titel, ein fulminantes 2021. Die Performance der Schwellenländer hingegen liess zu wünschen übrig. Dies hauptsächlich aufgrund der schlechten Performance in China.

Wie bereits im letzten Blog vorgegriffen, hatte unser multifaktorielles Ländermodell im 2021 - im Gegensatz zum 2020 - wenig Erfolg in der Prognose. Unsere faktorbasierte Methode rangiert Länder bzw. Regionen nach ihrer Attraktivität und wagt eine Prognose über die Performance der Aktien-Märkte in den nächsten 12 Monaten. So erschienen Ende Dezember 2020 die Schwellenländer aus Modellperspektive attraktiv, Nordamerika hingegen weniger attraktiv. Dies aufgrund der Kriterien Bewertung (Nordamerika hohe Bewertung, Schwellenländer tiefe Bewertung) und Gewinn Wachstum (Schwellenländer hohes Wachstum, Nordamerika tiefes Wachstum).Nun zur aktuellen Modellprognose für das Jahr 2022, mit Daten per Ende Dezember 2021:

Quellen: Daten Factset, eigene Schätzung

Die Schweiz und die Schwellenländer sind ähnlich attraktiv bewertet wie vor einem Jahr. Die Schweiz glänzt vor allem durch das gute Preis Momentum und die solide Gewinn- und Finanzqualität. Die Schwellenländer stellen den günstigsten Markt dar, was sie aus Modellperspektive in der Rangierung hochbringt. Nordamerika ist weiterhin unattraktiv. Unser Modell beurteilt Nordamerika aus Bewertungsperspektive als zu teuer; für die Finanzanalysten lässt das erwartete Gewinnwachstum zu wünschen übrig. Beide Faktoren zusammen begründen die niedrige Rangierung.

Es bleibt also spannend. Wir erwarten ein volatileres Aktienjahr und sind gespannt wie sich das Ländermodell 2022 schlagen wird. Wie immer wieder zu betonen ist und das 2021 aufzeigte: Prognosen sind anspruchsvoll. Unser Modell, wie jedes andere Modell auch, weist einen substantiellen Schätzfehler auf. Natürlich gilt der Finanz-Verpackungshinweis weiterhin: die vergangene Performance eines Finanz-Modells ist keine Garantie für die zukünftige Performance. Oder wie der Statistiker George Box so schön formulierte: «All models are wrong, but some models are useful».


MSCI ESG Leaders Index

Jeder Vermögensverwalter, Portfoliomanager oder Anlageberater wird aktuell mit den drei magischen Buchstaben ESG konfrontiert. Viele Kunden möchten wissen, welche Auswirkungen die Integration von ESG Kriterien auf ihre Anlagen hat. Auch die Europäischen Regulatoren haben das Thema mit neuen Anforderungen an die Rapportierungspflicht aufgegriffen.

Für uns der richtige Moment, einmal einen populären ESG Index genauer anzuschauen. Dazu möchten wir den MSCI Aktien Welt ESG Leaders Index mit dem herkömmlichen MSCI Aktien Welt Index vergleichen. Der MSCI ESG Leaders Index fokussiert sich auf die führenden (Leaders) Firmen bezüglich ESG. MSCI beurteilt jede Firma bezüglich ihrer Qualität in den Dimensionen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Daraus resultiert ein Rating, von 1-10. Je höher das Rating, desto besser ist die Firma bezüglich ESG aufgestellt. Im MSCI Leaders Index sind pro Industrie jeweils die besten 50% der Firmen vertreten.

Während der MSCI Welt Index rund 1560 Firmen umfasst, sind es beim Leaders Index nur 725 Titel. Also eine klare Auslese. Wie steht es nun mit der Rendite dieser beiden Indizes:

Über die letzten Jahre haben sich die Indizes sehr ähnlich entwickelt, im 2021 hat der Leaders Index ganz klar die bessere Rendite.

Woher kommt diese Rendite?

Liegt das nun daran, dass ESG Titel generell besser rentieren, hat es mit der richtigen Wahl der Sektoren zu tun oder ist es ein titelspezifisches Ergebnis, das eher zufällig entstanden ist.

Die Tabelle zeigt die Zerlegung der Rendite im 2021 nach verschiedenen Ratingklassen. Für jedes Rating ist sowohl die durchschnittliche Gewichtung, wie auch die erzielte Rendite angegeben. Die letzte Kolonne zeigt den Mehrwert, der für die einzelnen Ratings entsteht.

Interessant ist, dass mehr als die Hälfte des Mehrwerts durch die tiefsten Ratings entstanden ist. Die Ratingklasse 1 wurde im Leaders Index nicht nur deutlich untergewichtet, es wurden auch die richtigen Titel selektioniert. In dieser Klasse ist Google für die gute Performance verantwortlich. Trotz dem schlechten ESG-Rating ist Google im Leaders Index doppelt so stark gewichtet und hat beinahe 1% zur Zusatzrendite beigetragen. Google ist im Leaders Index vertreten, weil der Titel von der Gewichtung her in seinem Sektor dominant ist. Der Rest vom Mehrwert in der Rating Klasse 1 ist durch Amazon entstanden. Allerdings ist dieser Titel im Leaders Index ausgeschlossen worden.

Umgekehrt ist es enttäuschend, dass in den guten Ratingklassen kein grosser Mehrwert erzielt werden konnte. Einzig in der Klasse 8 konnte sich wieder ein Einzeltitel praktisch den ganzen Mehrwert sichern: Nvidia. Der Hersteller von Graphikkarten hat eine Rendite von beinahe 100% erreicht und ist im Leaders Index übergewichtet.

Was zeigt uns diese kleine Analyse? Die deutlich bessere Rendite im 2021 des Leader Index wurde durch ein paar wenige Titel verursacht. Eine Überrendite der höher eingestuften ESG Titel konnte nicht festgestellt werden. Auch die Untergewichtung der schlechtesten Titel hat nur bedingt Mehrwert gebracht (Amazon). Die offensichtlich bessere Rendite des Leaders Index ist zurückzuführen auf höhere Titelrisiken. Die spannende Frage, die offen bleibt: Werden sich ähnliche Titeleffekte auch im nächsten Jahr wieder so positiv auswirken?


Multifaktorielle Aktienprognose: Update September 2021

Aktuelle Aktienmarktprognose

In den letzten Wochen und Monaten ist an den Finanzmärkten einiges passiert. Vor allem die Schwellenländer waren durch hohe Volatilität gekennzeichnet. Daher lohnt sich ein erneuter Blick auf unser Länder/Regionen Aktien Mehrfaktoren-Modell und dessen Prognosen.

Zur Erinnerung: Die faktorbasierte Methode rangiert Länder bzw. Regionen nach ihrer Attraktivität. Dabei kommen die Kriterien Preis-Momentum, Bewertung, Gewinn-Wachstum und Qualität zum Einsatz. Die Summe dieser Bewertungen bestimmt die Rangreihenfolge. Das Modell erlaubt damit eine Prognose über die erwartete relative Rendite der Märkte in den nächsten 12 Monaten.

Erinnern wir uns an die Modellvorhersagen per Ende Dezember 2020:

Während das Modell im letzten Jahr (2020) eine sehr gute prognostische Kraft beweisen konnte, erweist sich 2021 aus Modellperspektive, zumindest bis zum Zeitpunkt dieses Blogs, als herausfordernd. Vor allem die Schwellenländer konnten den Modellerwartungen nicht gerecht werden. Die Performance der Schwellenländer vom Anfang des Jahres bis Ende August betrug 5.9% in CHF. Hingegen konnten die Märkte Schweiz und Nordamerika während der gleichen Periode um jeweils 18.9% und 27.5% (in CHF) zulegen.

Nun zur aktuellen Modellprognose per Ende August 2021:

 

Die Schwellenländer bleiben aus Modellsicht trotz Einbruchs des Preis Momentums und des Gewinnwachstums attraktiv. Europa konnte in der Rangierung aufsteigen, dies aufgrund des verbesserten Momentums in den Analystenschätzungen und der starken Marktperformance der letzten Monate. Die markanteste Modellherabstufung können wir für die Schweiz beobachten. Der Schweizer Aktienmarkt schneidet beim Gewinnwachstum und Momentum unterdurchschnittlich ab und ist aus der relativen Bewertungsperspektive unattraktiv.

Ob die Modellerwartungen erfüllt werden, wird sich zeigen. Damit dies passiert, müssten vor allem die Schwellenländer in den nächsten Monaten deutlich aufholen.

Zum Schluss der übliche (Finanzprodukt-) Verpackungshinweis, dass die vergangene Performance des Modells keine Garantie für die zukünftige Performance ist. Wie jedes Modell hat auch unser Ländermodell einen nicht zu vernachlässigenden Schätzfehler.