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Multifaktorielle Aktienmarktprognose 2021

Anfang 2020 haben wir zum ersten Mal über unser Aktien Mehrfaktoren-Modell für Länder/Regionen und dessen Aktienmarktprognosen berichtet. Die faktorbasierte Methode rangiert Länder bzw. Regionen nach Ihrer Attraktivität. Dabei kommen die Kriterien Preis-Momentum, Bewertung, Gewinn-Wachstum und Qualität zum Einsatz. Die Summe dieser Bewertungen bestimmt die Rangreihenfolge. Das Modell erlaubt damit eine Prognose über die erwartete relative Rendite der Märkte in den nächsten 12 Monaten.

Ein Jahr nach der ersten Prognose können wir die Modellperformance im Rückblick, sogenannt «out-of-sample», evaluieren. Im letzten Jahr erzielte das Modell gute Ergebnisse. Die durchschnittliche Jahresrendite in CHF der drei aus Modellsicht attraktiven Regionen (Schwellenländer, Schweiz, Nordamerika) betrug nämlich 7.1%, während die drei aus Modellsicht unattraktiven Regionen (Japan, Europa ex UK, UK) im Durchschnitt -3.8% verzeichneten. Unser Modell konnte einen klaren Mehrwert generieren. Dies in einem Jahr, in welchem systematische Vorgehensweisen (sogenannte quantitative Modelle) teilweise grosse Mühe bekundeten.

An dieser Stelle sei selbstverständlich der übliche Hinweis angebracht, dass die vergangene Performance des Modells keine Garantie für die zukünftige Performance ist. Wie jedes Modell, hat auch unser Ländermodell einen erheblichen Schätzfehler.

Basierend auf Daten von Ende 2020 interessiert uns natürlich die in die nähere Zukunft gerichtete Betrachtung der Modellvorhersage für 2021:

Multifaktorielle Aktienmarktprognose 2021

Risiko Rally im November

Quelle: Bloomberg

Der SPI stieg im November um 8.41%, die beste November Performance seit der Index berechnet wird und die höchste Monatsperformance seit dem Ende der Finanzkrise (Juni 2009). Der SPI blieb damit hinter dem MSCI Welt Index von 11.45% in Schweizerfranken zurück. Der grösste Teil der Performance wurde in den ersten Tagen erreicht, als sowohl Pfizer/Biontec wie auch Moderna wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 vermelden konnten. Zusätzlich beflügelt wurden die Aktienmärkte durch den Ausgang der US-Wahlen, dem Sieg von Joe Biden und dem Ausbleiben der Hegemonie der Demokraten in Washington.

In der Schweiz schnitten die «Value»-Sektoren Finanzen (+21.78%) und Industriewerte (+10.87%) zusammen mit den zyklischen Konsumgütern (+27.52%) am besten ab, während die defensiven Sektoren Basiskonsumgüter (-1.36%), Versorger (1.64%) und Gesundheitswesen (7.38%) am schlechtesten abschnitten.

Value hatte den besten Monat seit langer Zeit. Gleichzeitig verzeichneten alle anderen Stilrichtungen mit Ausnahme von kleinkapitalisierten Werten («Size») Verluste, wobei Momentum, «Low Risik» und Wachstum am meisten gelitten haben.

Die nachstehende Graphik zeigt die Querschnittsstreuung («Dispersion») der Erträge für die grössten 100 Titel des Swiss Performance Index SPI. Diese wird als einfache, ungewichtete Standardabweichung der monatlichen Renditen der relevanten Aktien berechnet ("trimmed" bei 1%).

Risiko Rally im November

Zombie-Bonds

Seit einigen Monaten werden an den Kapitalmärkten die vertrauten Fallen Angels (siehe dazu unseren Blog vom 12. Nov.) von den furchterregenderen Zombies aus den Schlagzeilen verdrängt. Zombie-Firmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht sterben können. Ein Siechtum charakterisiert dadurch, dass im operativen Geschäft kaum Gewinne erwirtschaftet werden und trotzdem die Refinanzierung der Schulden an den Kapitalmärkten immer wieder gelingt. Aktuelle Studien der BIZ und OECD belegen, dass vor allem die tiefen Zinsen das Wachstum dieser Untoten begünstigen. Im Durchschnitt - über die USA, Europa, Japan und Australien - hat sich der Anteil an Zombies seit 1986 verdoppelt . Die Zombie-Bonds sind unter uns.

Die Identifikation von Zombie-Anleihen ist einfach nachvollziehbar. Die Definition lautet: Wenn über eine oder mehrere Perioden der betriebliche Ertrag unter den Zinskosten liegt, dann spricht man von einem Zombie-Bond.

Jüngst hat Bloomberg die Firmen im "Russell 3‘000 Index" der grössten US-Firmenanleihen analysiert. Die Anzahl der als Zombies klassifzierten Firmen hat sich seit Jahresbeginn von 335 auf 527 Firmen erhöht, was ausstehenden Schulden von 378 Mrd. bzw. 1‘360 Mrd. entspricht. Damit liegt der prozentuale Schuldner-Anteil mit Zombie-Charakteristiek bald bei 20%. Eine Grössenordung, die auch von anderen Studien mit leicht abweichenden Kriterien weitgehend bestätigt wird. Die Spannweite reicht von grossen, etablierten "Investment Grade (AAA-BBB)" Schuldnern wie Boeing oder General Electric, (Zombies seit 2016), bis zu kleineren Firmen im "High Yield" Segment. Ein Blick auf die betroffenen Firmen zeigt, dass weder die Entwicklung des Aktienpreises noch das Kreditratings zur Identifikation von Zombies brauchbare Indikatoren sind.

Die folgende Grafik zeigt den Anstieg der Zombies (d.h. Firmen, deren Gewinne geringer sind als die Schuldzinsen, seit mindestens 3 Jahren).

Zombie-Bonds