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Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

13 Fakten über Lohnwachstum in den USA

The Hamilton Project, ein Think-Tank der Brookings Institution, hat  jüngst zum US-Lohnwachstum der letzten 4 Jahrzehnte den aufschlussreichen Artikel "Thirteen Facts about Wage Growth" publiziert.

Der amerikanische Traum, dass es jeder Generation besser geht als der Elterngeneration, ist angeschlagen. Inflationsbereinigt liegen die Löhne gerade einmal 10 Prozent höher als 1973, eine Lohnwachstumsrate von mageren 0.2%.

Was sind die ökonomischen Gesetze, welche den Lohn eines typischen Arbeiters beeinflussen? Im Grundsatz spielen 3 Kräfte eine Rolle:

  1. Produktivität eines Arbeiters: diese wiederum hängt ab vom eingesetzten Human- und Produktionskapital sowie der Effizienz mit welcher diese Kapitalformen eingesetzt werden
  2. Anteil des Volkseinkommens, welches in Form von Löhnen ausbezahlt wird
  3. Aufteilung der Arbeitsentschädigung auf Lohn und Lohnnebenkosten (u.a. Gesundheitsausgaben, welche in den USA vom Arbeitgeber (mit-) bezahlt werden)

Reale Stundenlöhne USA, 1973 - 2017

Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

Gedämpftes US Lohnwachstum trotz Vollbeschäftigung: Anomalie oder neue Normalität?

US Lohnwachstum weitgehend erklärbar

Das amerikanische BIP wächst mit robusten 2.2% p.a., getrieben mehrheitlich durch den Konsum sowie Investitionsausgaben. Die Arbeitslosenrate nähert sich historischen Tiefstwerten. Trotzdem wachsen die Stundenlöhne nur moderat, wie die folgende Grafik zeigt:

Es floss bereits viel Tinte zum Thema US-Löhne, die trotz robustem Wachstum nicht wirklich steigen. Als Schuldige werden typischerweise Globalisierung, ruchlose internationale Firmen, die in Billiglohnländern produzieren und geldgierige Firmeneigner identifiziert, die den Mitarbeitenden die Früchte ihrer Anstrengungen nicht gönnen.

Ökonomische Wissenschaftler im Ableger des Fed in San Franzisco sind jüngst dieser Frage nachgegangen und - nur auf den ersten Blick - auf überraschende Erkenntnisse gestossen (Daly et. al., What's up with wage growth, FRBSF Economic Letter 2016 sowie American Economic Review 2017).

Öffentlich diskutierte Indikatoren (wie die Grafik oben) sind hoch-aggregierte statistische Erhebungen. Es handelt sich um Durchschnittszahlen und deren Dynamik im Zeitablauf. Zerlegt man diese Statistiken in ihre Bestandteile, was als Dis-Aggregation in die Elemente Vollzeitbeschäftigte, Medianeinkommen und Ein-/Austritte in den Arbeitsmarkt bezeichnet wird, dann erhellt sich das Bild deutlich, wie die folgende Grafik zeigt:

Das Lohnwachstum der Vollzeitbeschäftigten (blaue Linie) nach der schwachen Rezession im 2001 entwickelte sich von etwa 3% auf 5%. Ab 2007 sank dieses Wachstum im Umfeld der grossen Finanzkrise auf 2%. Das Lohnwachstum hat sich seither auf über 4% erhöht. Nimmt man die mittleren Löhne (Medianeinkommen, schwarze Linie), so ist das Wachstum im Bereich von 3%.

Die Vollzeitbeschäftigten stellen zwar die Mehrheit der Arbeitnehmer, aber eben nicht die Gesamtheit. Im Medianeinkommen sind auch diejenigen Beschäftigten drin, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, wie Schulabgänger oder Zweitverdiener in Familien. Neu eintretende Arbeitnehmende, egal ob von der Schule, oder aus einer Situation von freiwilliger oder unfreiwilliger (Teilzeit-) Arbeitslosigkeit, verdienen unterdurchschnittliche Löhne. Ein starkes Wachstum in den Job-Angeboten kann die Durchschnittslöhne sowie die Wachstumsraten der Löhne zunächst senken, wie die rote Linie als negativer Beitrag zum Lohnwachstum aufzeigt.

Genau das ist passiert. Parallel zum höheren Wirtschaftswachstum haben sich viele Arbeitnehmende neu ins Berufsleben (re-) integriert; die tieferen Anfangslöhne haben den Durchschnittslohn nach unten gezogen. Baby-Boomer, die seit einigen Jahren in erhöhter Zahl ins Pensionsalter kommen, haben diesen Effekt deutlich verstärkt. Ältere Arbeitnehmende haben in den letzten Berufsjahren typischerweise Löhne, die über den Durchschnittslöhnen liegen. Ein Indiz übrigens, dass Erfahrung eben doch zählt.

Jüngst haben sich die negativen Beiträge von Ein-/Austritten in den Arbeitsmarkt auf die publizierten Lohnwachstumsraten reduziert. Gut möglich, dass in den nächsten Quartalen das Lohnwachstum auch in den aggregierten Zeitreihen visibel wird.


Aktien Europa weiterhin attraktiv

Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen in Europa

 

Die Finanz und Wirtschaft hat in der Samstagausgabe vom 24. Juni ein paar Kurzinterviews zur aktuellen Marktsituation publiziert. Meinen Beitrag zu europäischen Aktien möchte ich hier zitieren:

 

Der Absturz des Citi Economic Surprise Index USA zeige, dass die US-Wirtschaftsdaten seit Mitte April die Erwartungen sehr oft verfehlen, erläutert Martin Schlatter. In Europa entwickle sich dagegen vieles sehr positiv. Wenn die Analysten die Gewinnschätzungen für die europäischen Unternehmen überarbeiten, werden in rund 50% der Fälle Revisionen nach oben vorgenommen. Das ist ein historisch hoher Wert (vgl. auch Grafik). Wenn der Himmel wolkenlos sei, müssten sich zyklische Titel eindeutig besser entwickeln als defensive, sagt Schlatter. «Dem ist nicht eindeutig so.» Grundsätzlich laufen Zykliker aber gut. Bei Swiss Rock Asset Management hat man denn auch festgestellt, dass das Interesse der Investoren für Industrie- und Bauwerte deutlich höher ist als vor einem Jahr. Schlatter sagt, solche Titel seien in den Swiss-Rock-Portfolios zurzeit übergewichtet, in Erwartung, dass sie von einem Wachstumsschub in Europa profitieren werden. Zu den bevorzugten Anlagen gehören Kardex, Bobst oder Carlo Gavazzi aus dem Industriesektor sowie Sika und Forbo aus dem Bausektor. Schlatter findet auch Gefallen an den Luxusgüteraktien wie Richemont und Swatch Group, zumal deren Bewertung nicht übertrieben hoch sei. Aufgefallen ist ihm, dass Titel mit hohen Dividendenrenditen, die als Ersatz für Anleihen gelten können, schlechter laufen. Er sieht es als ein erstes Anzeichen, dass der Markt mit Zinserhöhungen rechnet, und meidet diese Titel.


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