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Zölle und Handelstarife

T-Shirt Ökonomie und Handelstarife

Manch einer mag sich über das «Wie-Du-mir-so-ich-Dir» im vom US-Präsidenten angezettelten Handelskonflikt wundern. Droht wirklich ein Handelskrieg und haben die Börsen ggü. des bisherigen Jahreshochs deswegen 8% nach unten korrigiert?

Der ökonomische Nobelpreisträger Krugman hält in der New York Times (4.4.2018) maliziös fest: „One good answer is, that’s a stupid question”. Man solle bei Diskussionen des Aktienmarktes immer folgende drei Regeln im Auge behalten: 1.) der Aktienmarkt ist nicht die Ökonomie, 2.) der Aktienmarkt ist nicht die Ökonomie und 3.) der Aktienmarkt ist nicht die Ökonomie. Die Bewegungen von Aktienmärkten könnten vielfältigste Begründungen oder gar keine haben.

Zölle und Handelstarife

Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

13 Fakten über Lohnwachstum in den USA

The Hamilton Project, ein Think-Tank der Brookings Institution, hat  jüngst zum US-Lohnwachstum der letzten 4 Jahrzehnte den aufschlussreichen Artikel "Thirteen Facts about Wage Growth" publiziert.

Der amerikanische Traum, dass es jeder Generation besser geht als der Elterngeneration, ist angeschlagen. Inflationsbereinigt liegen die Löhne gerade einmal 10 Prozent höher als 1973, eine Lohnwachstumsrate von mageren 0.2%.

Was sind die ökonomischen Gesetze, welche den Lohn eines typischen Arbeiters beeinflussen? Im Grundsatz spielen 3 Kräfte eine Rolle:

  1. Produktivität eines Arbeiters: diese wiederum hängt ab vom eingesetzten Human- und Produktionskapital sowie der Effizienz mit welcher diese Kapitalformen eingesetzt werden
  2. Anteil des Volkseinkommens, welches in Form von Löhnen ausbezahlt wird
  3. Aufteilung der Arbeitsentschädigung auf Lohn und Lohnnebenkosten (u.a. Gesundheitsausgaben, welche in den USA vom Arbeitgeber (mit-) bezahlt werden)

Reale Stundenlöhne USA, 1973 - 2017

Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

Einkommensungleichheit USA

50% der US-Bevölkerung partizipiert nicht am Wachstum

Das Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert", englisch "Capital in the Twenty First Century", von Thomas Piketty, hat vor zwei Jahren eine enorme Flut von redaktionellen Stellungnahmen erzeugt. Gemäss Piketty besteht der Haupttreiber der Ungleichheit darin, dass Gewinne aus Kapital höher seien als die ökonomischen Wachstumsraten. Dies führt zu höherer Ungleichheit in immer extremeren Formen, gefährdet den sozialen Frieden und unterminiert die Werte der Demokratie.

Unabhängig davon, ob man die Therapie Pikettys - sehr hohe Vermögenssteuern - teilt oder nicht (wie bspw. der Dekan Greg Mankiw der ökonomischen Fakultät von Harvard), kommt man in der ökonomischen Anamnese nicht umhin, eine hohe Einkommensungleichheit zu konstatieren.

Wie eine neue Arbeit von Piketty, Saez und Zucman zeigt, haben 50% der US-Amerikaner in den letzten 40 Jahren keine Einkommensfortschritte erzielt.

 

 

Die Grafik zeigt eindrücklich, dass das ökonomische Wachstum der USA für den Durchschnittsamerikaner (grüne Linie, 'average') von 30'000 USD auf über 60'000 USD gewachsen ist. Der Einzelne kann vom Durchschnitt nach oben und unten mehr oder weniger deutlich abweichen. Bedenkenswert ist die Situation für die unteren 50% der Bevölkerung ('bottom' 50%). Unabhängig davon, ob das Pro-Kopf-Einkommen Vor-Steuern ('pre-tax') oder Nach-Steuern ('post-tax'), also inklusive staatliche Transferzahlungen, betrachtet wird: die Hälfte der US-Amerikaner nimmt am steigenden Wohlstand nicht oder kaum teil.

Wie die Autoren ermittelt haben, gehen die staatlichen Transferzahlungen an den älteren Teil der Bevölkerung sowie an die Mittelklasse. Über eine ganze Generation hinweg hat der arbeitende Teil der unteren 50% der Bevölkerung keinerlei finanzielle Fortschritte gemacht. Das verfügbare Nachsteuereinkommen stagniert seit Jahrzehnten bei USD 16'000.-

 

 

Wer profitiert?

Was die unteren 50% der Bevölkerung nicht erhalten geht an die obersten 1% der US-Bevölkerung.

Der neue US-Präsident hat von den unteren 50% der Bevölkerung viele Stimmen erhalten und Hoffnungen geweckt. Ob seine wirtschaftspolitischen Massnahmen erfolgreich sein werden, ist momentan schwierig einzuschätzen; an Kritik mangelt es nicht. Dass er erfolgreich ist, wäre den betroffenen Amerikanern auf alle Fälle zu wünschen.


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