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Traktat über Bitcoin

Wer in Bitcoin investiert, ist selber Schuld

Die Preisbewegung von Bitcoin seit Anfang Jahr liegt bei über 1000%. In dem Vergleich dazu sehen andere spekulativ überhöhte Marktpreisbewegungen wie Waisenkinder aus. Die Grafik zeigt den Preisverlauf von Bitcoin in den ersten 11 Monaten 2017. Dagegen werden die Preisverläufe von diversen spekulativen Übertreibungen (Blasen) über 10 Jahre aufgezeigt:

  • Aktienblase Japan (Topix Index)
  • TMT-Blase USA (Nasdaq Index)
  • Subprime-Immobilienblase USA (Case-Schiller Index)
  • Goldpreis zum Vergleich

 

Bei einer Jahresrendite von 1000% würde es nicht lange gehen, bis der Wert von Bitcoin einer grossen Stadt, einer Provinz, eines Landes, eines Kontinentes, der gesamten Erde und schliesslich der Anzahl der Atome in dem Universum entspricht.

Bitcoin wird nie und nimmer ein Geldersatz sein:

  • Es taugt nicht als Tausch-/ Zahlungsmittel
  • Es taugt nicht als Recheneinheit
  • Es taugt nicht für die Wertaufbewahrung

 

Der mediale Hype bringt so manchen in Versuchung: wenn alle davon reden, dann muss doch etwas dahinterstehen? Nein, muss es nicht. Es ist müssig, hier auf Lemminge zu verweisen ...

Aber Finanzdienstleister bringen doch Anlageprodukte auf den Markt, also steckt doch etwas dahinter? Selbstverständlich: man kann damit Kommissionen und Margen verdienen; das sagt aber nichts über Nutzen und Sinnhaftigkeit von Bitcoin aus. Die richtige Frage in diesem Kontext lautet: würden dieselben Finanzdienstleister Bitcoin in der Verwaltung ihrer eigenen Pensionskassenvermögen einsetzen? Natürlich nicht.

Der Versuch Bitcoin anders als eine Spekulationsblase zu deuten, ist angesichts des senkrechten Kurvenverlaufs eine offensichtliche Zeitverschwendung. Basta.


Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

13 Fakten über Lohnwachstum in den USA

The Hamilton Project, ein Think-Tank der Brookings Institution, hat  jüngst zum US-Lohnwachstum der letzten 4 Jahrzehnte den aufschlussreichen Artikel "Thirteen Facts about Wage Growth" publiziert.

Der amerikanische Traum, dass es jeder Generation besser geht als der Elterngeneration, ist angeschlagen. Inflationsbereinigt liegen die Löhne gerade einmal 10 Prozent höher als 1973, eine Lohnwachstumsrate von mageren 0.2%.

Was sind die ökonomischen Gesetze, welche den Lohn eines typischen Arbeiters beeinflussen? Im Grundsatz spielen 3 Kräfte eine Rolle:

  1. Produktivität eines Arbeiters: diese wiederum hängt ab vom eingesetzten Human- und Produktionskapital sowie der Effizienz mit welcher diese Kapitalformen eingesetzt werden
  2. Anteil des Volkseinkommens, welches in Form von Löhnen ausbezahlt wird
  3. Aufteilung der Arbeitsentschädigung auf Lohn und Lohnnebenkosten (u.a. Gesundheitsausgaben, welche in den USA vom Arbeitgeber (mit-) bezahlt werden)

Reale Stundenlöhne USA, 1973 - 2017

Erhöhung Lebensstandard für viele Amerikaner eine Illusion

Gedämpftes US Lohnwachstum trotz Vollbeschäftigung: Anomalie oder neue Normalität?

US Lohnwachstum weitgehend erklärbar

Das amerikanische BIP wächst mit robusten 2.2% p.a., getrieben mehrheitlich durch den Konsum sowie Investitionsausgaben. Die Arbeitslosenrate nähert sich historischen Tiefstwerten. Trotzdem wachsen die Stundenlöhne nur moderat, wie die folgende Grafik zeigt:

Es floss bereits viel Tinte zum Thema US-Löhne, die trotz robustem Wachstum nicht wirklich steigen. Als Schuldige werden typischerweise Globalisierung, ruchlose internationale Firmen, die in Billiglohnländern produzieren und geldgierige Firmeneigner identifiziert, die den Mitarbeitenden die Früchte ihrer Anstrengungen nicht gönnen.

Ökonomische Wissenschaftler im Ableger des Fed in San Franzisco sind jüngst dieser Frage nachgegangen und - nur auf den ersten Blick - auf überraschende Erkenntnisse gestossen (Daly et. al., What's up with wage growth, FRBSF Economic Letter 2016 sowie American Economic Review 2017).

Öffentlich diskutierte Indikatoren (wie die Grafik oben) sind hoch-aggregierte statistische Erhebungen. Es handelt sich um Durchschnittszahlen und deren Dynamik im Zeitablauf. Zerlegt man diese Statistiken in ihre Bestandteile, was als Dis-Aggregation in die Elemente Vollzeitbeschäftigte, Medianeinkommen und Ein-/Austritte in den Arbeitsmarkt bezeichnet wird, dann erhellt sich das Bild deutlich, wie die folgende Grafik zeigt:

Das Lohnwachstum der Vollzeitbeschäftigten (blaue Linie) nach der schwachen Rezession im 2001 entwickelte sich von etwa 3% auf 5%. Ab 2007 sank dieses Wachstum im Umfeld der grossen Finanzkrise auf 2%. Das Lohnwachstum hat sich seither auf über 4% erhöht. Nimmt man die mittleren Löhne (Medianeinkommen, schwarze Linie), so ist das Wachstum im Bereich von 3%.

Die Vollzeitbeschäftigten stellen zwar die Mehrheit der Arbeitnehmer, aber eben nicht die Gesamtheit. Im Medianeinkommen sind auch diejenigen Beschäftigten drin, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, wie Schulabgänger oder Zweitverdiener in Familien. Neu eintretende Arbeitnehmende, egal ob von der Schule, oder aus einer Situation von freiwilliger oder unfreiwilliger (Teilzeit-) Arbeitslosigkeit, verdienen unterdurchschnittliche Löhne. Ein starkes Wachstum in den Job-Angeboten kann die Durchschnittslöhne sowie die Wachstumsraten der Löhne zunächst senken, wie die rote Linie als negativer Beitrag zum Lohnwachstum aufzeigt.

Genau das ist passiert. Parallel zum höheren Wirtschaftswachstum haben sich viele Arbeitnehmende neu ins Berufsleben (re-) integriert; die tieferen Anfangslöhne haben den Durchschnittslohn nach unten gezogen. Baby-Boomer, die seit einigen Jahren in erhöhter Zahl ins Pensionsalter kommen, haben diesen Effekt deutlich verstärkt. Ältere Arbeitnehmende haben in den letzten Berufsjahren typischerweise Löhne, die über den Durchschnittslöhnen liegen. Ein Indiz übrigens, dass Erfahrung eben doch zählt.

Jüngst haben sich die negativen Beiträge von Ein-/Austritten in den Arbeitsmarkt auf die publizierten Lohnwachstumsraten reduziert. Gut möglich, dass in den nächsten Quartalen das Lohnwachstum auch in den aggregierten Zeitreihen visibel wird.