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MSCI ESG Leaders Index

Jeder Vermögensverwalter, Portfoliomanager oder Anlageberater wird aktuell mit den drei magischen Buchstaben ESG konfrontiert. Viele Kunden möchten wissen, welche Auswirkungen die Integration von ESG Kriterien auf ihre Anlagen hat. Auch die Europäischen Regulatoren haben das Thema mit neuen Anforderungen an die Rapportierungspflicht aufgegriffen.

Für uns der richtige Moment, einmal einen populären ESG Index genauer anzuschauen. Dazu möchten wir den MSCI Aktien Welt ESG Leaders Index mit dem herkömmlichen MSCI Aktien Welt Index vergleichen. Der MSCI ESG Leaders Index fokussiert sich auf die führenden (Leaders) Firmen bezüglich ESG. MSCI beurteilt jede Firma bezüglich ihrer Qualität in den Dimensionen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Daraus resultiert ein Rating, von 1-10. Je höher das Rating, desto besser ist die Firma bezüglich ESG aufgestellt. Im MSCI Leaders Index sind pro Industrie jeweils die besten 50% der Firmen vertreten.

Während der MSCI Welt Index rund 1560 Firmen umfasst, sind es beim Leaders Index nur 725 Titel. Also eine klare Auslese. Wie steht es nun mit der Rendite dieser beiden Indizes:

Über die letzten Jahre haben sich die Indizes sehr ähnlich entwickelt, im 2021 hat der Leaders Index ganz klar die bessere Rendite.

Woher kommt diese Rendite?

Liegt das nun daran, dass ESG Titel generell besser rentieren, hat es mit der richtigen Wahl der Sektoren zu tun oder ist es ein titelspezifisches Ergebnis, das eher zufällig entstanden ist.

Die Tabelle zeigt die Zerlegung der Rendite im 2021 nach verschiedenen Ratingklassen. Für jedes Rating ist sowohl die durchschnittliche Gewichtung, wie auch die erzielte Rendite angegeben. Die letzte Kolonne zeigt den Mehrwert, der für die einzelnen Ratings entsteht.

Interessant ist, dass mehr als die Hälfte des Mehrwerts durch die tiefsten Ratings entstanden ist. Die Ratingklasse 1 wurde im Leaders Index nicht nur deutlich untergewichtet, es wurden auch die richtigen Titel selektioniert. In dieser Klasse ist Google für die gute Performance verantwortlich. Trotz dem schlechten ESG-Rating ist Google im Leaders Index doppelt so stark gewichtet und hat beinahe 1% zur Zusatzrendite beigetragen. Google ist im Leaders Index vertreten, weil der Titel von der Gewichtung her in seinem Sektor dominant ist. Der Rest vom Mehrwert in der Rating Klasse 1 ist durch Amazon entstanden. Allerdings ist dieser Titel im Leaders Index ausgeschlossen worden.

Umgekehrt ist es enttäuschend, dass in den guten Ratingklassen kein grosser Mehrwert erzielt werden konnte. Einzig in der Klasse 8 konnte sich wieder ein Einzeltitel praktisch den ganzen Mehrwert sichern: Nvidia. Der Hersteller von Graphikkarten hat eine Rendite von beinahe 100% erreicht und ist im Leaders Index übergewichtet.

Was zeigt uns diese kleine Analyse? Die deutlich bessere Rendite im 2021 des Leader Index wurde durch ein paar wenige Titel verursacht. Eine Überrendite der höher eingestuften ESG Titel konnte nicht festgestellt werden. Auch die Untergewichtung der schlechtesten Titel hat nur bedingt Mehrwert gebracht (Amazon). Die offensichtlich bessere Rendite des Leaders Index ist zurückzuführen auf höhere Titelrisiken. Die spannende Frage, die offen bleibt: Werden sich ähnliche Titeleffekte auch im nächsten Jahr wieder so positiv auswirken?


Risiken von "Low Risk" Strategien

Low Risk ist nicht No Risk

Die Ankündigung anfangs November, dass die ersten Impfstoffe erfolgreich von den Gesundheitsbehörden getestet und zugelassen wurden, in Kombination mit weiteren grossen Stimulus Paketen, hat an den Märkten eine heftige Sektor- und Style-Rotation ausgelöst. Diese Rotation ist ein deutliches Zeichen, dass die Märkte nach Q2 2021 ein klar anziehendes Wirtschaftswachstum erwarten.

Wie hat sich diese Rotation auf die verschiedenen Investment-Styles ausgewirkt? Die untenstehenden Grafiken zeigen auf täglicher Basis die Renditeentwicklung verschiedener von Swiss Rock gerechneter Styles. Dabei werden jeweils die besten 5% der Titel aus dem nordamerikanischen Aktienuniversum selektiert und gleichgewichtet zu einem Portfolio zusammengestellt.

Die erste Grafik deckt den Zeitraum von Ende 2019 bis Ende September 2020 ab. Klar zu erkennen ist die Dominanz der grosskapitalisierten Titel, da der kapitalisierungsgewichtete MSCI Nordamerika Index (braun gestrichelt) den gleichgewichteten Index (blau gestrichelt) deutlich geschlagen hat.

Gut abgeschnitten haben die Anlagestile Wachstum ("Growth") und Momentum, während der klare Verlierer Substanz ("Value") auch rasch gefunden wird. Im Mittelfeld befindet sich die "Low-Risk" Strategie, die auf Titel mit tiefen Risiken setzt. Während der Krise bis Mitte März war dies die beste Strategie.

Risiken von "Low Risk" Strategien

Aktienkorrekturen sind gesund

Heftige Korrektur im Nasdaq 100: Gut so!

Der Ausverkauf der höchstkapitalisierten Technologietitel von Anfang September hat dem Nasdaq 100 Index einen Tagesverlust von 5.2% beschert und den weniger technologielastigen S&P 500 Index ebenfalls um 3.5% sinken lassen.

Ist das nun das Ende der Börsenrally?

Wir glauben nicht, aber es ist immer gesund, wenn allzu euphorische Anleger ohne ausreichendes Risikobewusstsein durch die normative Kraft des Faktischen auf den Boden der (Anlage-) Realität zurückgeholt werden.

In den letzten Monaten haben sich in den USA die Aktien-Rendite von ein paar wenigen grosskapitalisierten Titeln vom restlichen Markt komplett entkoppelt. Über die letzten vier Monate hat der amerikanische Markt (MSCI USA) rund 22% Rendite erzielt. Für die Hälfte dieser 22%, die einer Zunahme der Marktkapitalisierung von sagenhaften USD 5’682 Mrd. entsprechen, sind lediglich 10 Firmen verantwortlich. Insbesondere die Unternehmen Apple, Amazon, Microsoft, Tesla, Facebook und Alphabet (Google) haben massgeblich zu dieser wunderbaren Geldvermehrung beigetragen.

Aktienkorrekturen sind gesund