BLOG

Filtered by category Finanzmarkt / Financial Markets Reset filter

Beauty is in the eye of the beholder

Sind Aktien hoch oder tief bewertet?

Die Finanzmärkte spiegeln die Erwartungen der Anleger an die Zukunft wider; daher ist es kaum überraschend, dass sie im Jahr 2020 chaotisch waren. Der Wiederanstieg risikoreicher Vermögenswerte inmitten einer fragilen Wirtschaftslage wirft die Frage auf, ob sich bei bestimmten Vermögenswerten Blasen gebildet haben oder ob das Auf und Ab durch sich schnell verändernde fundamentale Faktoren erklärt werden kann.

Selbst in einem Jahr als die Gewinne einbrachen, verdienten die Anleger im Referenzindex der globalen Leitbörse S&P 500 18.4%, mehr als das Doppelte der typischen Rendite der letzten 20 Jahre. Auch der Schweizer Aktienmarkt (SPI) beendet das Jahr mit einem Plus von 3.82% bei einer gleichzeitigen Aufwertung des Schweizerfrankens gegenüber dem USD von mehr als 9%.

Grafik 1: Shiller CAPE

Beauty is in the eye of the beholder

Multifaktorielle Aktienmarktprognose 2021

Anfang 2020 haben wir zum ersten Mal über unser Aktien Mehrfaktoren-Modell für Länder/Regionen und dessen Aktienmarktprognosen berichtet. Die faktorbasierte Methode rangiert Länder bzw. Regionen nach Ihrer Attraktivität. Dabei kommen die Kriterien Preis-Momentum, Bewertung, Gewinn-Wachstum und Qualität zum Einsatz. Die Summe dieser Bewertungen bestimmt die Rangreihenfolge. Das Modell erlaubt damit eine Prognose über die erwartete relative Rendite der Märkte in den nächsten 12 Monaten.

Ein Jahr nach der ersten Prognose können wir die Modellperformance im Rückblick, sogenannt «out-of-sample», evaluieren. Im letzten Jahr erzielte das Modell gute Ergebnisse. Die durchschnittliche Jahresrendite in CHF der drei aus Modellsicht attraktiven Regionen (Schwellenländer, Schweiz, Nordamerika) betrug nämlich 7.1%, während die drei aus Modellsicht unattraktiven Regionen (Japan, Europa ex UK, UK) im Durchschnitt -3.8% verzeichneten. Unser Modell konnte einen klaren Mehrwert generieren. Dies in einem Jahr, in welchem systematische Vorgehensweisen (sogenannte quantitative Modelle) teilweise grosse Mühe bekundeten.

An dieser Stelle sei selbstverständlich der übliche Hinweis angebracht, dass die vergangene Performance des Modells keine Garantie für die zukünftige Performance ist. Wie jedes Modell, hat auch unser Ländermodell einen erheblichen Schätzfehler.

Basierend auf Daten von Ende 2020 interessiert uns natürlich die in die nähere Zukunft gerichtete Betrachtung der Modellvorhersage für 2021:

Multifaktorielle Aktienmarktprognose 2021

Risiko Rally im November

Quelle: Bloomberg

Der SPI stieg im November um 8.41%, die beste November Performance seit der Index berechnet wird und die höchste Monatsperformance seit dem Ende der Finanzkrise (Juni 2009). Der SPI blieb damit hinter dem MSCI Welt Index von 11.45% in Schweizerfranken zurück. Der grösste Teil der Performance wurde in den ersten Tagen erreicht, als sowohl Pfizer/Biontec wie auch Moderna wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 vermelden konnten. Zusätzlich beflügelt wurden die Aktienmärkte durch den Ausgang der US-Wahlen, dem Sieg von Joe Biden und dem Ausbleiben der Hegemonie der Demokraten in Washington.

In der Schweiz schnitten die «Value»-Sektoren Finanzen (+21.78%) und Industriewerte (+10.87%) zusammen mit den zyklischen Konsumgütern (+27.52%) am besten ab, während die defensiven Sektoren Basiskonsumgüter (-1.36%), Versorger (1.64%) und Gesundheitswesen (7.38%) am schlechtesten abschnitten.

Value hatte den besten Monat seit langer Zeit. Gleichzeitig verzeichneten alle anderen Stilrichtungen mit Ausnahme von kleinkapitalisierten Werten («Size») Verluste, wobei Momentum, «Low Risik» und Wachstum am meisten gelitten haben.

Die nachstehende Graphik zeigt die Querschnittsstreuung («Dispersion») der Erträge für die grössten 100 Titel des Swiss Performance Index SPI. Diese wird als einfache, ungewichtete Standardabweichung der monatlichen Renditen der relevanten Aktien berechnet ("trimmed" bei 1%).

Risiko Rally im November