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Einkommensungleichheit USA

50% der US-Bevölkerung partizipiert nicht am Wachstum

Das Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert", englisch "Capital in the Twenty First Century", von Thomas Piketty, hat vor zwei Jahren eine enorme Flut von redaktionellen Stellungnahmen erzeugt. Gemäss Piketty besteht der Haupttreiber der Ungleichheit darin, dass Gewinne aus Kapital höher seien als die ökonomischen Wachstumsraten. Dies führt zu höherer Ungleichheit in immer extremeren Formen, gefährdet den sozialen Frieden und unterminiert die Werte der Demokratie.

Unabhängig davon, ob man die Therapie Pikettys - sehr hohe Vermögenssteuern - teilt oder nicht (wie bspw. der Dekan Greg Mankiw der ökonomischen Fakultät von Harvard), kommt man in der ökonomischen Anamnese nicht umhin, eine hohe Einkommensungleichheit zu konstatieren.

Wie eine neue Arbeit von Piketty, Saez und Zucman zeigt, haben 50% der US-Amerikaner in den letzten 40 Jahren keine Einkommensfortschritte erzielt.

 

Die Grafik zeigt eindrücklich, dass das ökonomische Wachstum der USA für den Durchschnittsamerikaner (grüne Linie, 'average') von 30'000 USD auf über 60'000 USD gewachsen ist. Der Einzelne kann vom Durchschnitt nach oben und unten mehr oder weniger deutlich abweichen. Bedenkenswert ist die Situation für die unteren 50% der Bevölkerung ('bottom' 50%). Unabhängig davon, ob das Pro-Kopf-Einkommen Vor-Steuern ('pre-tax') oder Nach-Steuern ('post-tax'), also inklusive staatliche Transferzahlungen, betrachtet wird: die Hälfte der US-Amerikaner nimmt am steigenden Wohlstand nicht oder kaum teil.

Wie die Autoren ermittelt haben, gehen die staatlichen Transferzahlungen an den älteren Teil der Bevölkerung sowie an die Mittelklasse. Über eine ganze Generation hinweg hat der arbeitende Teil der unteren 50% der Bevölkerung keinerlei finanzielle Fortschritte gemacht. Das verfügbare Nachsteuereinkommen stagniert seit Jahrzehnten bei USD 16'000.-

 

Wer profitiert?

Was die unteren 50% der Bevölkerung nicht erhalten geht an die obersten 1% der US-Bevölkerung.

Der neue US-Präsident hat von den unteren 50% der Bevölkerung viele Stimmen erhalten und Hoffnungen geweckt. Ob seine wirtschaftspolitischen Massnahmen erfolgreich sein werden, ist momentan schwierig einzuschätzen; an Kritik mangelt es nicht. Dass er erfolgreich ist, wäre den betroffenen Amerikanern auf alle Fälle zu wünschen.


AEA Wirtschaftslage und Ausblick 2017

Jedes Jahr Anfang Januar treffen sich sämtliche akademischen Vereinigungen der Allied Social Sciences Association (ASSA) zu einem Grossanlass. Es werden die neuesten Forschungspapiere vorgestellt und an vielen Panels hochkarätig diskutiert.

An der Konferenz "Economic Issues Facing the New President", der American Economic Association AEA, diskutieren unter der Leitung von Greg Mankiw, Dekan der Wirtschaftsfakultät von Harvard:

AEA Wirtschaftslage und Ausblick 2017