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Gemach: die Welt
wird auch dieses Mal
nicht untergehen

Dr. Roman von Ah

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Finanzmärkte

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Die Grossthemen Tarife und POTUS beschäftigen die Börsen: Der durch rabiate Tarif-Erhöhungen angezettelte Handelskrieg wird viele Verliererer produzieren. Wachstumsstillstand und höhere Inflation (Stagflation) sind reale Risiken, insbesondere für die USA.

Die Grossthemen Tarife und POTUS beschäftigen die Börsen: Der durch rabiate Tarif-Erhöhungen angezettelte Handelskrieg wird viele Verliererer produzieren. Wachstumsstillstand und höhere Inflation (Stagflation) sind reale Risiken, insbesondere für die USA.

Die folgende Grafik (Quelle: Bloomberg) zeigt per 8.4.2025 die seit Anfang Jahr eingetretenen Veränderungen von Gold (+14.88%, schwarze Linie / blaue Fläche), Aktien USA S&P500-Index (-13.44%, blaue Linie), Aktien Schweiz SPI-Index (-2.27%, rote Linie) sowie Aktien Deutschland Dax-Index (+1.01%, violette Linie). Das hoch-spekulative Vehikel Bitcoin hat mit knapp -18% fast doppelt so viel verloren wie Gold gewonnen hat; Bitcoin schneidet wie üblich in Krisen deutlich schlechter als der deutlich negative Verlauf des US-Marktes (gelbe Linie):

Performance seit Jahresanfang

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Männiglich fragt sich, ob er mit seinen Investments darauf reagieren soll oder nicht. Werden die Aktienstände weiter sinken? Vielleicht, aber Sie sollten Ihre Investitionen trotzdem in Ruhe lassen. Korrekturen sind gesund, etwas völlig Normales und der aktuelle Einbruch ist keineswegs ungewöhnlich. Bleiben Sie also ruhig.

Der Blick zurück zu Anfang 2024 ist erhellend: Gold +45%, DAX +21.85, S&P500 +8.6%, SPI+5.53%

Performance 2024 bis 8.4.2025

Performance seit 2024

Nach vorläufigen Schätzungen steigen die effektiven US-Zölle von 2% im Jahr 2024 auf rund 20%. Die Folgen sind ein geringeres Wachstum in den USA und weltweit sowie eine steigende Inflation, da der Warenhandel einen angebotsseitigen Schock erleidet. Die US-Wirtschaft dürfte deutlich Schaden nehmen, und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nimmt zu. Die negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft könnten teilweise abgeschwächt werden, mit geplanten Steuersenkungen, finanziert durch die höheren Zölle sowie Massnahmen wie Deregulierung, die möglicherweise in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden.

Präsident Trump ging in seinen Ausführungen (noch) nicht auf die Möglichkeit von Verhandlungen ein. Wir sind der Ansicht, dass Gespräche in den kommenden Monaten zu niedrigeren effektiven Zöllen von rund 10-15% führen. Die US-Inflation würde dann auf etwa 3,5% steigen.

Falls die effektiven Zölle bei 10-15% zu liegen kommen, werden flankierende Massnahmen (Reduktion der Zinsen durch Notenbanken, staatliche Unterstützung besonders bedrohter Sektoren u.a.) einen Teil der mittelfristig negativen Effekte auffangen, bzw. weiter abfedern. Die Erwartung für Zinssenkungen in den USA haben sich deutlich verstärkt; aktuell wird mit einer Reduktion des Leitzinses von 2% über die nächsten 12 Monate gerechnet.

Prognosen sind (immer) schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen. Dennoch glauben wir, dass eher defensive, Substanz ("Value") orientierte Märkte in den nächsten Monaten zu bevorzugen sind. Damit werden wir Europa und Schweiz bevorzugen und tendenziell US lastige Produkte/Märkte meiden. Wir haben seit Ende letzten Jahres in der Tendenz US Wachstumswerte abgebaut.

Die kurzfristige Situation an den Märkten mag noch so im Wandel begriffen sein; dies sollte weder die langfristigen finanziellen Ziele noch Ihre Strategie verändern. Der jüngste Einbruch an den Aktienmärkten ist die offensichtliche Reaktion auf die aggressiven Tariferhöhungen des POTUS (President Of The United States), ganz nach dem Motto, ich erkläre der Welt wie es jetzt laufen soll. 

Für professionell beratene Anleger sollten kurzfristige Schwankungen keinen Unterschied in ihrer Anlagestrategie machen. Wie der Nobelpreisträger Krugman gerne witzelt, kann die Welt in den nächsten 3 Monaten immer auf 100 Arten zugrunde gehen.

Wenn die Anlageziele die gleichen sind wie in den vergangenen Monaten, und wenn die Zahlungsverpflichtungen sich nicht akut verändert haben,  sollten auch Ihre Strategie und Ihr Portfolio gleichbleiben.

Hier unser Rat an alle, die ihre Investitionen einmal mehr hinterfragen oder bei ihren Investitionen gar in Panik geraten.

1. Atmen Sie durch

Es ist nie klug, Entscheidungen - finanziell oder anderweitig - aus einem Impuls heraus zu treffen. Anleger, namentlich Aktieninvestoren, reagieren auf schlechte Neuigkeiten oft impulsiv, als Reaktion auf das Unbekannte. Derartige Ängste sind in der Geschichte der Menschheit keine Seltenheit und im Hirn in der Amygdala (Mandelkernkomplex), zuständig für die Furchtkonditionierung, fest verankert. Anleger sind und bleiben immer wieder anfällig für emotionale Überreaktionen. Wer häufig Veränderungen an den Aktienmärkten beobachtet, der neigt zu erhöhtem Aktivismus und verliert mit schlecht getimten Verkäufen / Käufen gemäss Finanzmarktstudien im Schnitt um 6% im Jahr.

2. Fragen Sie sich, weshalb Sie überhaupt investiert sind

Geht es um Ihre (vorzeitige) Pensionierung? Sind Sie daran, verpasste Spargelegenheiten nachzuholen? Sparen Sie im Hinblick auf eine größere Investition?

Hat sich eines Ihrer Ziele aufgrund der jüngsten Marktkorrektur geändert? Wahrscheinlich nicht. Wenn Sie nicht gerade etwas tun, das mit Ihrem ursprünglichen Anlageziel nicht vereinbar ist, sollte es keinen Grund geben, radikale Maßnahmen zu ergreifen.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Ereignisse allein zu verarbeiten, bringen Sie professionelle Hilfe ins Spiel. Genauso wie ein Patient vor der Operation mit seinem Arzt zusammenkommt, könnte es eine gute Idee sein, sich mit einem Anlageexperten zu treffen und ein ehrliches Gespräch darüber zu führen, wo Sie auf dem Weg zu Ihren finanziellen Zielen stehen.

3. Ausatmen

Auch wenn Marktbewegungen beunruhigend erscheinen mögen, so ist es doch völlig normal, dass der Aktienmarkt steigt und fällt - und darauf müssen wir alle vorbereitet sein, sowohl emotional als auch finanziell. 

Die Märkte überreagieren auf geopolitische Risiken: z.B. führte die irakische Invasion in Kuwait zu einem Rückgang der Aktienkurse um 17% und einer Verdoppelung der Ölpreise, aber die Aktienkurse waren 4 Monate später wieder auf ihrem Höchststand. Oder erinnern Sie sich an die Covid-Pandemie: innerhalb 1 Monats (2/20-3/20) verloren Aktien um 40%. Dennoch lag der US Aktienindex S&P500 am Ende des Jahres bei +17.5%; die Schweiz immerhin auch positiv, mit +3%. Ende 2021 lagen die Aktien bei +52.5% bzw. +27%.

Sollte die Krise wider Erwarten länger gehen oder sich stark zuspitzen – wovon wir zurzeit nicht ausgehen, so würden die Zentralbanken reagieren und kurzfristig die Zinsen weniger stark anheben (USA) oder senken (Europa) und/oder das Kaufprogramm von Anleihen wieder aufnehmen.

Das Investieren im Hinblick auf Ihre finanzielle Zukunft erfordert ein gesundes Verständnis von Chancen & Risiken, Geduld & professionelle Sorgfalt.

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