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Globale Fiskalpolitik
auf Abwegen – Was
bedeutet das für
Bond-Portfolios?

Fabian Blank

Fabian Blank, CFA, CESGA


Ökonomie Finanzmärkte Lesenswertes

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Regierungen geraten zunehmend in ein finanzpolitisches Spannungsfeld: Einerseits sollen Haushalte stabilisiert, andererseits wichtige Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Verteidigung getätigt werden. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf die Kapitalmärkte aus. Staatsanleihen, die lange Zeit als risikolos galten, werden zunehmend von fiskalischen Unsicherheiten geprägt.

Regierungen geraten zunehmend in ein finanzpolitisches Spannungsfeld: Einerseits sollen Haushalte stabilisiert, andererseits wichtige Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Verteidigung getätigt werden. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf die Kapitalmärkte aus. Staatsanleihen, die lange Zeit als risikolos galten, werden zunehmend von fiskalischen Unsicherheiten geprägt.

Für Fixed-Income-Investoren gewinnt die Analyse der Fiskalpolitik damit weiter an Bedeutung. Wer frühzeitig versteht, wie sich fiskalische Disziplin, Schuldenniveaus und politische Prioritäten verändern, kann Risiken besser steuern und Chancen gezielt nutzen.

USA: Strukturelle Defizite im Fokus der Anleger

Die USA verzeichnen trotz robuster Konjunktur in den letzten Jahren ein anhaltend hohes Haushaltsdefizit um die 6-7 % des Bruttoinlandprodukts (BIP). Neue Ausgabenprogramme sowie die erst kürzlich verabschiedete Steuerreform belasten die fiskalische Position zusätzlich. In Kombination mit einer bereits hohen Verschuldungsquote von rund 121 % des BIP wachsen die Zweifel an der Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen.

Der Anleihemarkt reagiert bereits: Die hohe Emissionstätigkeit trifft auf eine zunehmend selektive Nachfrage. Internationale Investoren – prominentestes Beispiel ist die chinesische Zentralbank – reduzieren ihre Bestände, während verbleibende Käufer höhere Risikoaufschläge einfordern. Die Folge: Am langen Ende der US-Zinskurve zeigt sich ein anhaltender Aufwärtsdruck. Gleichzeitig preist der Markt am kurzen Ende weitere Zinssenkungen durch die Fed ein, was zu einer tendenziell steiler werdenden Zinskurve führt – ein Signal einer wachsenden fiskalischen Risikoprämie.

Unser Swiss Rock «Fair Value Sovereign Yield Modell», das fundamentale Faktoren wie Schuldenquote, Wachstumspotenzial und Inflationserwartungen berücksichtigt, zeigt trotz Renditeanstieg in der ersten Jahreshälfte aktuell eine faire Bewertung der US-Staatsanleihen an.

Europa: Zwischen Konsolidierung und sicherheitspolitischem Kurswechsel

Im Vergleich zu den USA ist Europa traditionell für fiskalische Disziplin bekannt. Doch mit dem Krieg in der Ukraine, zunehmendem wirtschaftspolitischem Wettbewerb sowie steigenden Ausgaben für Verteidigung, technologische Innovation und Energieautonomie verändert sich das Bild rasch.

Frankreich etwa plant eine massive Erhöhung der Militärausgaben und mit dem Programm «France 2030» zusätzliche Investitionen von 54 Milliarden Euro in Innovation, Dekarbonisierung sowie strategische Sektoren und das ohne nennenswerte Kürzungen an anderer Stelle [1]. Das Budgetdefizit dürfte daher bis 2027 strukturell über 5 % liegen. Die Ratingagentur S&P reagierte bereits im letzten Jahr mit einer Herabstufung der langfristigen Bonität Frankreichs auf AA−. Ende Februar 2025 wurde der Ausblick gar erneut auf «negativ» gesenkt.

Auch Deutschland, lange der fiskalische Musterknabe Europas, verkündet milliardenschwere Ausgabenprogramme. So sollen die Militärausgaben bis 2029 um rund 65 % steigen, und mittels Sondervermögen sollen rund 500 Mrd. Euro in die alternde Infrastruktur investiert werden [2]. Die Mehrheit dieser Ausgaben erfolgt durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung, was Schuldenquote und Budgetdefizit in den kommenden Jahren ansteigen lassen dürfte.

Im Vereinigten Königreich sieht das Bild etwas anders aus. Auch hier sind markante Verteidigungs- und Modernisierungsinvestitionen geplant, diese sollen jedoch im Rahmen eines strikten Finanzplans durch Kürzungen im Sozialwesen ausgeglichen werden. Dadurch sollen die Ausgaben bis 2030 lediglich um 1 % pro Jahr ansteigen [3].

An den Kapitalmärkten ist von diesem Kurswechsel bislang wenig zu sehen. Die Renditen der europäischen Staatsanleihen – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs – bewegen sich aktuell auf tiefem Niveau und unter unseren modellierten fairen Werten. Die Stabilitätsbemühungen im Vereinigten Königreich werden hingegen von den Anlegern nicht honoriert, was zu einer attraktiven Risikoprämie führt.

Schweiz und Japan: Sichere Häfen, die ungleicher nicht sein könnten

Die Schweiz bleibt im globalen Vergleich ein Musterbeispiel für fiskalische Stabilität und Haushaltsdisziplin. Trotz wachsender Herausforderungen durch den demografischen Wandel und steigender Ausgaben für Sozialversicherungen sowie Verteidigung hält die Schweiz an ihrer strikten Schuldenbremse fest. Die Staatsausgaben dürften bis 2030 nur moderat ansteigen und die Schuldenquote mit rund 35 % des BIP auf niedrigem Niveau bleiben. Durch ihren Status als sicherer Hafen profitieren Schweizer Staatsanleihen von einer strukturellen Nachfrage, was die Renditen auf tiefen Niveaus verankert. Eine Änderung dieser Situation ist bis auf Weiteres nicht absehbar.

Ganz anders präsentiert sich Japan, das weiterhin eine expansive Haushaltspolitik verfolgt, geprägt von einer alternden Gesellschaft und hohen Sozialausgaben. Die Staatsverschuldung bleibt mit über 250 % des BIP weltweit die höchste, und auch die jährlichen Budgetdefizite dürften auf hohem Niveau verharren. Trotz dieser Belastungen setzt die Regierung ambitionierte Investitionsprogramme in Digitalisierung, grüne Transformation und Verteidigung um. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach japanischen Staatsanleihen hoch, was die Finanzierungskosten niedrig hält. Die fiskalische Nachhaltigkeit bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung und könnte künftig zu Spannungen an den Kapitalmärkten führen.

Ozeanien: Solide Verschuldung, stabile Perspektiven

Australien und Neuseeland zeigen sich im internationalen Vergleich fiskalisch resilient. Australien profitiert von hohen Rohstoffexporten und hält die Verschuldungsquote bei rund 50 % des BIP – trotz wachsender Staatsausgaben. Neuseeland weist aktuell eine ähnliche Verschuldungsquote aus, plant jedoch in den nächsten Jahren höhere Investitionen. Dadurch dürfte sich die Verschuldungsquote bis 2030 auf rund 60 % des BIP erhöhen, was im internationalen Vergleich weiterhin moderat ist [4].

Beide Länder bieten stabile institutionelle Rahmenbedingungen und transparente Fiskalpolitik. Aus fundamentaler Sicht stellen australische und neuseeländische Staatsanleihen daher eine attraktive Ergänzung zu etablierten Märkten dar – insbesondere hinsichtlich Diversifikation, Bonität und langfristiger Renditechancen, was unser Renditemodell unterstreicht.

Fazit: Fiskalpolitik wird zur Kernvariable in der Anleihenstrategie

Die globale fiskalische Lage hat sich spürbar verschoben – mit wachsenden Unterschieden zwischen Ländern und Regionen. Für Investoren bedeutet das: Die fiskalische Nachhaltigkeit eines Landes ist kein Randthema mehr, sondern zentraler Bestandteil der Rendite- und Risikobewertung.

Bei Swiss Rock Asset Management analysieren wir im Segment der Staatsanleihen neben ökonomischen und geldpolitischen Fundamentaldaten traditionell auch fiskalische Treiber. Dabei stehen Haushaltsdynamik, Ratingtrends und geopolitische Einflussfaktoren im Fokus. In einem Umfeld wachsender fiskalischer Divergenz wird eine aktive Allokation im Staatsanleihensegment zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

 

[1] Ministère de l'Économie, France 2030 Plan, 2024.

[2] Bundesministerium der Finanzen. Haushalt 2025 und Finanzplan bis 2029.

[3] HM Treasury. Spring Budget 2025.

[4] Sämtliche Marktdaten sowie ökonomische Datenpunkte stammen aus Bloomberg

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