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«Vendre au son du clairon, acheter au son du canon»

Dr. Roman von Ah

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Ökonomie Finanzmärkte

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Zwei Grossthemen beschäftigen die Börsen: Einerseits beunruhigen die aktuellen Drohgebärden Russlands gegenüber der Ukraine zu Recht die Marktteilnehmer an den weltweiten Kapitalmärkten. Und andererseits haben die Märkte – nach einem hervorragenden Aktienjahr 2021 – im bisherigen 2022 nervös auf höhere Inflationsraten und & Zinsängste reagiert und über 10% korrigiert.

Zwei Grossthemen beschäftigen die Börsen: Einerseits beunruhigen die aktuellen Drohgebärden Russlands gegenüber der Ukraine zu Recht die Marktteilnehmer an den weltweiten Kapitalmärkten. Und andererseits haben die Märkte – nach einem hervorragenden Aktienjahr 2021 – im bisherigen 2022 nervös auf höhere Inflationsraten und & Zinsängste reagiert und über 10% korrigiert.

Die folgende Grafik zeigt seit Anfang Jahr die Prozentveränderungen von Gold (+5.05%, schwarze Linie / blaue Fläche), Aktien USA SP500-Index (-13%, grüne Linie), Aktien Schweiz SPI-Index (-11.5%, violette Linie sowie Aktien Deutschland Dax-Index (-12.4%, rote Linie). Das hoch-spekulative Vehikel Bitcoin hat mit knapp 24% doppelt so viel verloren wie die Aktienmärkte (gelbe Linie):

Aktienkorrektur seit Anfang 2022

Aktienkorrektur seit Anfang 2022

Quelle: Bloomberg

Männiglich fragt sich, ob er mit seinen Investments darauf reagieren soll oder nicht. Werden die Aktienstände weiter sinken? Vielleicht, aber Sie sollten Ihre Investitionen trotzdem in Ruhe lassen. Korrekturen sind gesund, etwas völlig Normales und der aktuelle Einbruch ist keineswegs ungewöhnlich. Bleiben Sie also ruhig.

Die kurzfristige Situation an den Märkten mag noch so im Wandel begriffen sein; dies sollte weder die langfristigen finanziellen Ziele noch Ihre Strategie verändern. Der jüngste Einbruch an den Aktienmärkten ist die offensichtliche Reaktion auf Zinserhöhungsängste – bedingt durch momentan deutlich höhere Inflationsraten sowie Unsicherheit über den weiteren Verlauf der durch Russland provozierten Ukraine-Krise.

Für professionell beratene Anleger sollten kurzfristige Schwankungen keinen Unterschied in Ihrer Anlagestrategie machen. Wenn die Anlageziele die gleichen sind wie in den vergangenen Monaten, dann sollte auch Ihre Strategie und Ihr Portfolio gleichbleiben.

Hier unser Rat an alle, die ihre Investitionen einmal mehr hinterfragen oder bei ihren Investitionen gar in Panik geraten.

1. Atmen Sie durch

Es ist nie klug, Entscheidungen - finanziell oder anderweitig - aus einem Impuls heraus zu treffen. Anleger, namentlich Aktieninvestoren reagieren auf schlechte Neuigkeiten oft impulsiv, als Reaktion auf das Unbekannte. Derartige Ängste sind in der Geschichte der Menschheit kaum eine Seltenheit und im Hirn in der Amygdala (Mandelkernkomplex), zuständig für die Furchtkonditionierung, fest verankert. Anleger sind und bleiben immer wieder anfällig für emotionale Überreaktionen.

2. Fragen Sie sich, weshalb Sie überhaupt investiert sind

Geht es um Ihre (vorzeitige) Pensionierung? Sind Sie daran, verpasste Spargelegenheiten nachzuholen? Sparen Sie im Hinblick auf eine größere Investition?

Hat sich eines Ihrer Ziele aufgrund der jüngsten Marktkorrektur geändert? Wahrscheinlich nicht. Wenn Sie nicht gerade etwas tun, das mit Ihrem ursprünglichen Anlageziel nicht vereinbar ist, sollte es keinen Grund geben, radikale Maßnahmen zu ergreifen.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Ereignisse allein zu verarbeiten, bringen Sie professionelle Hilfe ins Spiel. Genauso wie ein Patient vor der Operation mit seinem Arzt zusammenkommt, könnte es eine gute Idee sein, sich mit einem Anlageexperten zu treffen und ein ehrliches Gespräch darüber zu führen, wo Sie auf dem Weg zu Ihren finanziellen Zielen stehen.

3. Ausatmen

Auch wenn Marktbewegungen beunruhigend erscheinen mögen, so ist es doch völlig normal, dass der Aktienmarkt steigt und fällt - und darauf müssen wir alle vorbereitet sein, sowohl emotional als auch finanziell. 

Die Märkte überreagieren auf geopolitische Risiken: z.B. führte die irakische Invasion in Kuwait zu einem Rückgang der Aktienkurse um 17% und einer Verdoppelung der Ölpreise, aber die Aktienkurse waren 4 Monate später wieder auf ihrem Höchststand.

Die Risiken mit Russland liegen nicht in der Wirtschaft oder dem Finanzsektor, sondern bei den Rohstoffen. Russland hat einen Anteil von 10% an der weltweiten Ölproduktion, von 41% an den europäischen Gasimporten und ist ein wichtiger Lieferant von Düngemitteln, Palladium, Nickel, Kali und Aluminium. Die Welt wird und kann darauf nicht verzichten, was Russland weiterhin attraktive Erlöse aus ihrem Energiegeschäft bringen wird.

Sollte die Krise wider Erwarten länger gehen oder sich stark zuspitzen – wovon wir zurzeit nicht ausgehen, so würden die Zentralbanken reagieren und kurzfristig die Zinsen weniger stark anheben und/oder das Kaufprogramm von Anleihen weniger stark zurückfahren.

Das Investieren im Hinblick auf Ihre finanzielle Zukunft erfordert ein gesundes Verständnis von Chancen & Risiken, Geduld & professionelle Sorgfalt.

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Dr. Martin Schlatter

Im Oktober 2021 hat die Inflationsrate in den USA zum ersten Mal seit Jahrzehnten 6% überschritten; die Folge war eine deutliche Rotation an den Aktien-Märkten. Inflationsängste sind eruptiert und haben Erwartungen umgelenkt: Um die Inflation zu dämpfen, müssten die Notenbanken ihre Politik komplett umstellen, weg von tiefen Zinsen und grosszügiger Geldmengenausweitung hin zu steigenden Zinsen.

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